Das eigene Zuhause barrierefrei gestalten

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Beitrag überprüft und zuletzt aktualisiert am 3. Oktober 2022

Laut aktuellster Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes lebten zum Ende des Jahres 2021 etwa 7,8 Millionen Menschen in Deutschland mit dem Status der Schwerbehinderung; mit etwa der Hälfte aller Fälle im Alter zwischen 55 und 74 Jahren auftretend. Dass unsere Körper im Laufe des Lebens mehr dazu neigen physiologisch abzubauen, Funktionen einzustellen und nicht mehr zuverlässig verrichten zu können, ist vorhersehbar – und trotzdem gibt es auch mit den vorliegenden Daten und Fakten noch immer einen nachweisbaren Mangel an speziellen barrierefreien Wohnungen in Deutschland. Besonders der Bedarf an Wohnungen für Rollstuhlfahrer ist nicht ausreichend bedeckt und ergab im Jahre 2018 einen Fehlbedarf von über 30%.

Aber eine barrierefreie Wohnung hört nicht bei der Bauart, der vorhandenen Bewegungsfläche, den Sanitäreinrichtungen oder Minimalbreiten von Türen und Passagen auf. Nicht jede Einschränkung im Alltag ist die der Mobilität und viele der Maßnahmen für eine frei zugängliche Wohnung kommen uns allen zugute – besonders, wenn im „Lebensherbst“ das Leben um einen herum wieder entschleunigt. Das Wissen, ohne eine zu hohe Komplikation bei der Instand- und Sauberhaltung der Räume in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus bleiben zu können, auch bei Behinderungen im Alltag weiterhin selbstständig zu sein, erlaubt für Freiheit. Eine minimalistische Einfachheit und das Reduzieren auf das Wesentliche, sorgen für eine einfachere Priorisierung des Wichtigen und Bedienung aller notwendigen Gerätschaften und Möbel.




Haltegriffe an Stellen im eigenen zuhause, die nach einem Hinsetzen und wieder Hinstellen verlangen, helfen einfach und effektiv, wenn das Aufrichten nicht mehr so einfach zu gestalten ist. Vor allem im Badezimmer, aber auch im Eingangs- oder Essbereich können Stellen identifiziert werden. Das Installieren von begehbaren Duschen – oder sogar begehbaren Badewannen! – sieht nicht nur luxuriös aus, sondern bietet zusätzlich ein offenes Badezimmer. Und auch Küchenarmaturen, die vor nicht allzu vielen Jahren ebenfalls noch als extravagantere und hochwertige Lösungen verkauft wurden, sind mittlerweile fast schon ein willkommener Standard. Optionen wie voll ausziehbare Schränke und Schubladen, die ein einfaches Bedienen von jeglichem Stauraum erlauben, sollten als Upgrades in Erwägung gezogen werden.

Aber auch kleinere, nicht gleich offensichtliche Anpassungen im Haushalt machen viel aus. Je mehr schnurlose Gerätschaften installiert sind, umso weniger Kabelsalat ist beispielsweise vorhanden. Und dort, wo Kabel dennoch verlegt werden müssen, können mithilfe von Kabelkanälen Stolperfallen vermieden werden. Anstelle von schwierig drehbaren Knäufen an Türen oder Schränken, sorgen Griffe oder Schlaufen dafür, dass sie zuverlässiger geöffnet und bedient werden können. Auch das Umstellen von einer Vielzahl an alltäglichen Abläufen hin zum Smart Home kann enorm helfen. Mithilfe von Stimmenaktivierung oder Apps kann mittlerweile sogar der Ofen angeheizt werden – aber allein schon die Lichtkontrolle ohne das Betätigen von Schaltern ist Gold wert.

Apropos Licht: vor allem bei Sehbeeinträchtigungen ist das Vorhandensein von genügend Tageslicht und Helligkeit maßgebend und erlaubt mehr Fokus, Konzentration und Übersicht. Dunkle Ecken und ganze Räume sollten bestmöglich vermieden werden. Und auch das Umschwenken von dichtem Teppich zu hellerem Vinyl-, Laminat- oder Holzboden bringt Profit mit sich, denn auch hier werden Stolperfallen und Säuberungsengpässe überwunden. Eventuelle Verschmutzungen können schneller und ohne Komplikationen entfernt werden.


Der Begriff der Barrierefreiheit umfasst so viel mehr, als auf den ersten Blick erscheint – und viele der oben dargestellten Möglichkeiten erlauben uns auch ohne eine vorhandene Notwendigkeit bereits viele Erleichterungen im Alltag. Und je früher wir uns damit auseinandersetzen, je eher unser Lebensraum darauf vorbereitet wird, umso schneller können wir uns auch auf wichtigere und schönere Dinge konzentrieren als die Frage danach, wie wir uns erfolgreich durch eine Normalität navigieren.

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Autor: Marco Eitelmann

Mein Name ist Marco Eitelmann und ich schreibe hier seit Gründung dieser Webseite im Jahr 2014 hauptsächlich über die Themen: Gesundheit, Ernährung sowie Natur- und Umwelt. Mein Fachwissen in diesen Bereichen stammt aus meiner inzwischen fast 20 jährigen Berufserfahrung im Lebensmittelhandel und der Nahrungsmittelproduktion und durch ständige Fortbildung im Ressort Ernährung sowie der ausgiebigen Lektüre von mittlerweile weit über 200 Fachbüchern aus den Bereichen Medizin und Naturwissen.

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