Glucosamin als Baustoff für die Knorpelbildung bei Gelenkproblemen sowie Gelenkschmerzen?

Was haben Garnelen mit Glucosamin zu tun? In Lebensmitteln kommt Glucosamin nur in geringen Mengen vor. Viel davon ist hingegen in Dingen enthalten, die wir nicht so gerne essen, z.B. knorpeliges Fleisch. Garnelen wiederum sind für viele Menschen sehr schmackhaft. Das Problem ist nur, dass diese Garnelen mit dem Panzer verzehrt werden müssten, um an größere Mengen Glucosamin zu kommen. Glucosaminkapseln sind da wesentlich einfacher zu nehmen...

Ein gesunder Mensch verfügt über eine ausreichende Beweglichkeit, weil seine Gelenke durch genügend Knorpelmasse geschützt sind. Mithilfe der Knorpelmatrix sowie der Schmierungsmoleküle können die einzelnen Gelenkflächen aneinander reiben, während harte Stöße aufgefangen werden. Ein wichtiger Baustoff innerhalb der Knorpel ist der Aminozucker Glucosamin. Chemisch setzt er sich aus Glucose und einer Aminosäure zusammen und wird für die Glucosaminoglycane benötigt. Durch diese Reaktion werden ausreichend Wasser in den Gelenksknorpeln gebunden, der Zellendruck (Turgor) erhöht und die Elastizität des Gewebes sichergestellt, für die durch diesen Prozess die Schmierungsmoleküle aufgebaut werden.

Die in diesem Artikel behandelte Frage bezieht sich darauf, ob Glucosamin als Lösung für Gelenkschmerzen eine geeignete und erfolgversprechende Therapie unterstützen kann. Selbstverständlich sollten bei allen Krankheiten, auch bei Gelenkleiden zunächst eine Diagnose und Behandlung durch einen Arzt erfolgen und vor allem die Ursache der Gelenkprobleme festgestellt werden.





Was sind Gelenkbeschwerden?

Gelenkbeschwerden, die sich beispielsweiße durch Gelenksteifheit, Arthrose und Arthritis manifestieren, sind typische Alterserkrankungen oder auch Erkrankungen aufgrund von übermäßiger Abnutzung sowie Nährstoffunterversorgung über längere Zeiträume. Mit zunehmendem Altem stellt der menschliche Körper nicht mehr genügend Knorpelmasse und Schmiermittel für die Gelenke her. Es kann zu einem Verlust an Beweglichkeit und zu Schmerzen kommen, wenn die betroffenen Gelenke belastet werden. Der Krankheitsverlauf ist unbehandelt progredient: Zunächst zeigen sich die Schmerzen nur bei Belastung der betroffenen Gelenke. Später neigen die Schmerzen zur Chronifizierung, während auch die Mobilität immer stärker abnimmt. Als letzter Schritt bleibt dann nur noch der Austausch der betreffenden Gelenke durch künstliche Gelenke. Für Professor Josef Zacher vom Helios-Klinikum Berlin-Buch sei dieser invasive Eingriff eine „Kapitulation“ vor der Arthrose. Er gehört zu den Experten, welche die Glucosamin-Therapie befürworten.

Die Risikofaktoren

Wie bei vielen altersbedingten Einschränkungen kann der Prozess des Verfalls durch eigenes Verhalten aufgehalten oder beschleunigt werden. Wer zum Beispiel seine Gelenke permanent fehl belastet oder überbeansprucht, ist in einem wesentlich stärkeren Maß von der Arthrose bedroht. Auch einmalige Ereignisse wie Unfälle oder Verhebungen können zu Gelenkbeschwerden führen. Handwerker, Leistungssportler, Postboten, Verpackungshelfer und andere Berufsgruppen, zu deren Aufgabenbereich das ständige Tragen von Lasten gehört, sind besonders gefährdet. Auch ständiges Sitzen am Computer, vor allem wenn die Grundsätze der richtigen Sitzhaltung vernachlässigt werden, kann zu einer einseitigen Gelenkbelastung führen. Hausfrauen wiederum neigen dazu, durch die Überbeanspruchung der Handgelenke den sogenannten „Hausfrauendaumen“ zu bekommen. Mediziner sprechen bei diesem Beschwerdebild von der Tendovaginitis de Quervain, dass Frauen im Verhältnis 8:1 gegenüber Männern erleiden können. Da Übergewicht sich ebenfalls belastend auf die Gelenke auswirkt, handelt es sich auch dabei um einen krankheitsauslösenden Risikofaktor. Zuviel Belastung für die Gelenke ist also nicht gut. Dies gilt allerdings auch für das Gegenteil, denn wer sich insgesamt zu wenig bewegt, leistet Gelenkbeschwerden ebenfalls Vorschub. Nicht benutzte Gelenke neigen mit der Zeit nämlich zur Verkümmerung. Experten empfehlen deswegen eine gesunde Lebensweise mit gesunder Ernährung und regelmäßigem moderaten Sport wie zum Beispiel Spaziergänge, Schwimmen oder einfache Touren mit dem Fahrrad.

Die Glucosamin-Therapie

Nach Absprache mit einem Facharzt kann eine Glucosamin-Therapie erfolgen. Für die Erzielung des therapeutischen Effekts, dem Körper die fehlenden Baustoffe für die Knorpel und Schmierungsmoleküle durch eine Nahrungsergänzung zuzuführen, wird eine regelmäßige Einnahme von 1500 mg Glucosamin empfohlen. Diese Dosis kann ihr Arzt auch individuell anpassen und bestimmen. Bei einem Anschlagen der Therapie werden die Leiden nach etwa zwei bis sechs Monaten oftmals reduziert. Die Therapie gilt nach einer Einnahmedauer von sechs Monaten als gescheitert, wenn sich bis dahin keine positiven Effekte gezeigt haben. In einem solchen Falle sollte sie abgebrochen werden. In erster Linie interessieren sich Betroffene für die Erfolgsaussichten einer solchen Therapie. Hierbei ist die Studienlage widersprüchlich. Während sich in manchen Studien für viele Betroffene durchaus positive Effekte zeigten, war die Glucosamin-Einnahme für Teilnehmer anderer Studien wirkungslos. Insofern sollte die Therapie eher als Ergänzung denn als Allheilmittel aufgefasst werden. Für die Glucosamin-Therapie spricht wiederum die Risikoarmut der Behandlung. Da Glucosamin zu den Baustoffen gehört, die der menschliche Körper selbst herstellen kann, ist der Organismus mit der Substanz vertraut. Gelegentliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen können durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr vorgebeugt werden. Wirklich problematisch soll die Therapie nur bei Schwangeren und Stillenden sein, weil Fötus und Säugling die übernatürliche Menge an Glucosamin noch nicht vertragen können. Von daher ist eine generelle und ausführliche Absprache mit einem Arzt anstelle einer Selbsttherapie vorzuziehen!





Fazit:

Glucosamin kann bei Gelenkschmerzen helfen und eine ärztliche Behandlung unterstützen. Es ist jedoch wichtig durch einen Facharzt zunächst eine ausführliche Diagnose und Untersuchung erfolgen zu lassen, um die eigentliche Ursache und den Umfang des Problems zu erkennen. Glucosamin wird vom Körper selbst hergestellt und ist im Vergleich zu vielen Medikamenten sehr nebenwirkungsarm, wenn es zusätzlich eingenommen wird. Einen Versuch mit der Chance auf eine mittelfristige oder sogar langfristig nachhaltige Besserung zu starten, ist es in Absprache mit einem Arzt und dessen individueller Dosierungsempfehlung also wert. In der Natur kommt verteilt auf viele Lebensmittel ebenfalls Glucosamin vor. Die Mengen sind aber im überwiegenden Teil der Nahrung sehr gering. In knorpeligen Fleisch, Garnelen- und Schalentierenpanzern sowie weiteren „exotischen“ und mehr oder weniger nicht leckeren Speisen ist hingegen viel Glucosamin enthalten. In einigen Ländern und speziellen Gerichten werden Garnelen bewusst mit Panzer verspeist. Dazu müssen sie allerdings recht klein sein. Auch verschiedene Insektenarten dienen in so mancher Region der Welt mit Panzer verspeist als Nahrungsquelle. Nahrungsergänzungsmittel sind hingegen wesentlich einfacher und sicherer zu nehmen, da deren Dosierung standardisiert ist. Im Gegenzug müsste man Unmengen dieser sonst für die meisten Menschen recht unangenehmen Lebensmittel essen, um auf einen entsprechend hohen täglichen Glucosaminwert zu kommen.

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