Drei Anwendergruppen die Heilkräuter und Heilpflanzen verwenden und deren Hintergründe

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Beitrag überprüft und zuletzt aktualisiert am 23. Juni 2021

Traditionelle Heilkräuter und Pflanzen sowie Heilpilze begleiten die Menschheit bereits seit der frühen Steinzeit. So fand man bei der Gletschermumie Otzi den Heilpilz Birkenporling und in antiken und steinzeitlichen Gräbern Heilkräuter, die zehntausend Jahre alte Ritualbeigaben darstellten. Dazu kommen Überlieferungen z.B. aus der traditionellen chinesischen, aber auch amerikanischen und europäischen Naturheilkunde, die zunächst mündlich immer wieder an die nächste Generation übermittelt wurden und erst später schriftliche Aufzeichnung fanden.

Viel Wissen über Heilkräuter und Pflanzen ist verloren gegangen aber es kommt ständig Neues hinzu

Einiges an Wissen ist über die Jahrtausende auch verloren gegangen, teils durch Naturkatastrophen, teils menschengemacht durch religiöse Verbote, Hexenverbrennung, Kriege oder auch die Ausrottung indigener Völker und die Umweltzerstörung.



Glücklicherweise ist die Natur trotz dieser Einschnitte auch weiterhin eine unfassbar reichhaltige Quelle für allerhand Wildpflanzen denen man wissenschaftlich bestätigt eine positive Wirkung auf die Gesundheit nachweisen kann. Tausende davon sind über die Zeit auch Bestandteil von schulmedizinischen Pharmazeutika geworden. Zu vielen gibt es aber immer noch keine Studien oder Beweisführungen zu deren Wirksamkeit. Einige Pflanzen dienten für heutige Pharmazeutika auch nur als Vorlage, bis deren Wirkstoff gezielt zur Massenproduktion synthetisiert werden konnte.

Auch wenn viel von dem was über die Jahrhunderte und Jahrtausende unter dem Begriff „Traditionelle Heilkunde“ oder auch „Erfahrungs-Heilkunde“ gesammelt wurde heute wissenschaftlich bestätigt und stofflich analysiert ist, gibt es dennoch unzählige Erfahrungsberichte unter den Anwendern, die zwar von einer positiven Wirkung sprechen, diese jedoch bisher noch nicht schulmedizinisch bewiesen wurde.

Da die Natur die mit Abstand die ergiebigste Quelle für allerhand nützliche und noch unerforschte Stoffe bietet, ist das Forschungspotential der Pharmaunternehmen enorm. Zudem werden erst heute immer mehr Wirkungsweisen nach und nach verstanden und die Wirkstoffe zu den Pflanzen und Pilzgattungen auch im Labor analysiert und letztendlich überhaupt erstmals in ihrer Wirksamkeit bewiesen.

Was vor einigen Jahren noch „wissenschaftlich unbestätigt“ und damit schulmedizinisch nicht anwendbar bzw. relevant war, wird plötzlich in den Fokus gestellt, anderes verschwindet wieder, weil man einen patentierbaren synthetischen und wesentlich profitbringenderen Stoff herstellen kann. Dieser Gegentrend ist wiederum nicht wünschenswert.

Die Verwendung von Heilkräutern, Heilpflanzen und Pilzen für die Gesundheit

Zunächst einmal sollte jeder der die verschiedenen Pflanzen und Pilzarten verwenden möchte sich bei einer Wildsammlung gut damit auskennen. Es gibt ungenießbare, giftige und einige tödlich giftige Arten sowohl aus der Pflanzen-, als auch der Pilzwelt. Zudem sind einige Pflanzen und Pilze sehr stark in ihrer Wirkung, können Wechselwirkungen mit schulmedizinischen Medikamenten haben oder zu schwach oder zu stark dosiert werden. Deshalb sollte man bei Krankheiten auch deren Anwendung mit einem Facharzt abklären und vor allem zunächst einmal seine Krankheit von diesem genau bestimmen lassen.

Die Anwendung der Heilpflanzen und Pilze erfolgt auf verschiedene Arten und in verschiedenen Bereichen, ich habe hier die drei gängigsten näher beschrieben:

Der alternativmedizinische Bereich und dessen Anwendungsgebiete:

Hier muss ganz klar unterschieden werden, welcher Teil wissenschaftlich evidenzbasiert angewandt wird und welcher nicht. Zudem sollten Begriffe wie traditionelle Naturheilkunde, Phytotherapie und Homöopathie nicht vermischt werden, denn sie haben wenig bis gar nichts miteinander gemeinsam!

Dazu auch mehr unter „Ist die Naturheilkunde mit ihren pflanzlichen Naturheilmitteln dasselbe wie Homöopathie?“ Genau da gilt es nämlich eine Abgrenzung zu ziehen, die Anwendung verschiedener wissenschaftlich bewiesener und in Studien gut erforschter Phytotherapeutika hat nichts mit Homöopathie oder Bachblüten und ähnlichen Bereichen zu tun. Auch die Gemmotherapie ist trotz ihrer pflanzlichen Auszüge schulmedizinisch und wissenschaftlich nicht in Doppelblindstudien geprüft worden und somit nicht als evidenzbasiert einzuordnen.

Trotzdem gibt es auch die nicht bestätigten Behandlungsformen und Anwendungsgebiete am Markt und sie haben ihre Daseinsberechtigung, denn nicht wenige Menschen schwören darauf, dass es Ihnen hilft. Ob dies nun ein Placeboeffekt ist oder ein Wirkmechanismus den man vielleicht wissenschaftlich auch noch gar nicht nachweisen kann, weil z.B. die Gerätschaften und Messmöglichkeiten dazu fehlen, sei dahingestellt. Ernsthafte Erkrankungen würde ich persönlich jedoch auf keinen Fall einfach in Eigentherapie mit irgendwelchen Mittelchen behandeln lassen und dies auch niemanden empfehlen!


Die traditionellste Art der Anwendung

Heilkräuter und Heilpilze wurden traditionell noch lange vor der evidenzbasierten, modernen Phytotherapie oder den geschichtlich neueren alternativen Anwendungsbereichen verwendet. Ihre Anwendung ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und selbst Affen und Pferde wissen instinktiv, was sie an Pflanzen fressen müssen, wenn sie Probleme haben.

Die erste Aufnahme dieser Heilkräuter und Pilze durch den Menschen fand im rohen Zustand statt. Die Pflanzen wurden praktisch einfach so gegessen und durch Erfahrungen mehr oder weniger stark dosiert. Das galt auch für Pilze, von denen jedoch die aller meisten im rohen Zustand giftig sind! Das kann selbst Speisepilze aus dem Supermarkt betreffen. Hier eine Liste der wenigen Pilze die man tatsächlich direkt roh nach dem Sammeln im Wald essen kann, bedenkenlos zumindest in Form möglicher Pilzgifte, die zu einer ernsten Pilzvergiftung führen können.

Später begann mit der weiteren kulturellen Entwicklung auch Tee aus den Wildpflanzen und Pilzen herzustellen. In diesem Video seht ihr z.B. wie ich einen Birkenporling Tee zubereite aus selbst gesammelten Pilzen. Heilkräuter Teesorten lernt man schon im Kindesalter kennen, den Fenchel Tee, Kamille Tee oder Mischungen wie Anis-Fenchel-Kümmel sind so ziemlich jedem bekannt und deren positive Wirkung unbestritten. Auch trendige Tee Sorten wie der aufputschende und gesunde Matcha oder der bittere aber wirkungsvolle Zistrosentee finden viele Freunde.

Als drittes wurde durch die Kultur und den Fortschritt schon recht früh in der Geschichte die Einführung von Salben, Tinkturen und Auszügen vorgenommen. Hier kann man kräftige Wirkstoffkonzentrate relativ einfach aus den Pflanzen ziehen und diese vor allem Haltbar machen.

Die rein wissenschaftliche und schulmedizinische Anwendung

Der Begriff „Schulmedizin“ kann besser durch den Begriff „wissenschaftlich Medizin“ ersetzt werden. Am Grundsatz und vor allem wissenschaftlichen Ansatz der reinen Schulmedizin ist nichts falsch, ganz im Gegenteil. In früheren Zeiten war übrigens der Begriff „Schulmedizin“ ein Kampfbegriff, als sich naturheilkundlich und homöopathisch orientierte Heiler und auch Ärzte mit den im späten 19. Jahrhundert aufkommenden naturwissenschaftlichen und akademischen Ansatz einer ganz neuen Generation in die Haare bekamen.

Die Schulmedizin bzw. akademische Medizin sollte und wollte sich von den alternativmedizinischen Bereichen radikal abgrenzen. Heute nähern sich beide Bereiche wieder etwas an und ergänzen sich teilweise, was durchaus sehr sinnvoll ist.

Um den Bogen zurück zu unseren Heilkräutern zu finden, möchte ich aber anmerken, dass ich einiges in der Schulmedizin nicht für gut empfinde, sondern akut kontraproduktiv. Das rein schulmedizinisch wissenschaftliche Bild wandelt sich zwar zunehmend zum Positiven, wird aber immer noch durch ein radikal materialistisches Weltbild bestimmt.

Gut ist z.B., dass die Phytotherapie die früher nur der Naturheilkunde, teils der alternativmedizinischen Ecke zugeordnet wurde, inzwischen auch mit Bestandteil der Schulmedizin ist. Aber allein hier merkt man schon die Abgrenzung. Denn oft ist es für die rein wissenschaftlich, materialistisch orientierte Schulmedizin Esoterik, nicht wirksam, minderwertig oder nicht beachtenswert, wenn es wissenschaftlich noch nicht bewiesen wurde oder sich nicht im Labor synthetisieren bzw. versuchstechnisch reproduzieren lässt.

Viele Wissenschaftler sehen den Menschen und die Pflanze nach wie vor als rein materiebezogen an, das gilt insbesondere auch für viele Pharmaunternehmen. Nach dem Motto „Der Mensch ist eine biologische Maschine, gibt Chemikalien rein und sie verändert sich wie gewünscht.“ „Die Pflanze nützt uns nur wegen ihrer Inhaltsstoffe, lasst uns die herausholen, der Rest ist egal und wenn man es synthetisieren kann, dann kann man es auch patentieren und besser vermarkten.“

Fazit:

Schulmedizin und alternative Medizin sollten sich jedoch ergänzen und weiter annähern und der Mensch nicht einfach nur als biologische Maschine gesehen werden, genauso wenig wie das Tier oder die Pflanze, die man ausbeuten kann. Einige Pflanzen bzw. Pflanzenstoffe wie z.B. Strophantus gratus (Afrikanisches Schlingkraut) wurden über die Jahre auch komplett aus der Schulmedizin genommen trotz guter Wirksamkeit und gegen künstliche Produkte ersetzt, da diese patentierbar sind und mehr Geld versprechen. Das kann aber langfristig nicht Sinn der Sache sein.


Es ist erfreulich das immer mehr gute Ärztinnen und Ärzte offen sind für die pflanzlichen und alternativen Heilkundemethoden als Ergänzung zur Schulmedizin. Wohlgemerkt, wenn diese sinnvoll sind, denn im alternativen Bereich gibt es auch viel Unnützes und stark Fragwürdiges, sowohl was Mittel als auch Therapieansätze betrifft.

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Autor: Marco Eitelmann

Mein Name ist Marco Eitelmann und ich schreibe hier seit Gründung dieser Webseite im Jahr 2014 hauptsächlich über die Themen: Gesundheit, Ernährung sowie Natur- und Umwelt. Mein Fachwissen in diesen Bereichen stammt aus meiner inzwischen fast 20 jährigen Berufserfahrung im Lebensmittelhandel und der Nahrungsmittelproduktion und durch ständige Fortbildung im Ressort Ernährung sowie der ausgiebigen Lektüre von mittlerweile weit über 200 Fachbüchern aus den Bereichen Medizin und Naturwissen.

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